Rund 30 Kinder haben 2007 den Start in diese beispielhafte Singschule mitgetragen, zwischenzeitlich waren es sogar über 100, derzeit sind es immerhin etwa 80. Die vier Chöre wie Kirchenmäuse (ab vier Jahren), Kinderkantorei I (1. und 2. Klasse) und II (3. und 4. Klasse) sowie Jugendkantorei (ab 5. Klasse) decken den musikalischen Werdegang von musikalischer Früherziehung bis zur solistischen, konzertreifen Ausbildung ab. Die künstlerische Bilanz ist mit dem Erarbeiten von Kinder- und Jugendliteratur bis hin zu Singspielen, Musicals und Kinderopern weit mehr als eine Überleitungsphase hin zum Erwachsenenchor.
Längst hat diese Singschule mit szenischen Aufführungen, choreographischer Unterstützung und in der Gesangstechnik durch Stimmbildung und Singen in kleineren Ensembles im weltlichen und geistlichen Chorgesang die verschiedensten Genres, Gattungen und Stile durchlebt. Dabei gelang es der Bezirkskantorin Beate Stinski-Bergmann als „Geburtshelferin“, Initiatorin und künstlerischer Gesamtleiterin (neben Eva Klamroth als zweiter Dirigentin und Pianistin und Konzertsängerin Antonietta Jana) immer wieder, für monumentale Aufführungen Chöre der Singschule mit dem Konzertchor der Stiftskirchen-Kantorei zu verschmelzen. Durch Janas gezielte Stimmbildung und solistische Aufgaben in jungen Jahren ging diese fundierte Jugendchorarbeit weit über das übliche Maß in der Kirchenmusik hinaus und bereitet den Boden, dass die Stiftskirche als eine herausragende Pflegestätte der Musica Sacra bleiben kann.
Mit dem Einzug dieser Chöre beim Festgottesdienst am Sonntag in Form einer Prozession durch das Kirchenschiff bestätigte sich auch das gekonnte Zelebrieren. Bei den folgenden vokalistischen Aufführungen zeigte sich einmal mehr, dass nie museal, historisch, sondern gegenwartsbezogen und zukunftsorienteiert (in der Stilistik und Präsentationsform) gedacht wurde. Es sei aber auch an dieser Stelle nicht verschwiegen, dass die evangelische Landeskirche im Zuge der vertraglichen Neubewertung der hauptamtlichen Kantorenstelle in die Autonomie der Chöre eingriff.
Anstelle einer trockenen Moderation zu den vielen Projekten, Chorfreizeiten und Entwicklungen ließen die beiden Pfarrer Stefan Bergmann und Matthias Jung diese Erfolgsgeschichte in Sketchform Revue passieren: Der eine (Jung) stellte den Typus des Zweiflers und Skeptikers dar, der andere (Bergmann) trat als Zuversicht verbreitender Optimist an. In dieser schauspielerischen Form wurden auch die derzeitigen Probleme wie Stagnation bei Neuanmeldungen oder Finanzierungsschwierigkeiten nicht nur angesprochen, sondern „durchgespielt.“
Die Aufführungen zeitgenössischer Chorsätze wie „Lass die Erde leben für die Kinder dieser Welt“, „Alle Dinge dieser Welt“ von John Rutter und weitere wie „You Raise Me Up“ bestätigten bei allen Formationen die gesangstechnische Solidität gut entwickelter und tragfähiger Stimmen. Diese ließen immer wieder durch stimmliche Reinkultur hinsichtlich Intonation und klarer Diktion aufhorchen. Neben ausgebildeter Stimmführung, trainierter Atemstütze und geschulter Lautbildung in der Deklamation gestalteten sie in textgebundener, gemeinsamer Phrasierung. Eine klare Zeichensprache und Werkvorstellung der Bezirkskantorin Beate Stinski-Bergmann und eine sehr einfühlsame, auch in modernen Stilen „beheimatete“ Klavierbegleitung Eva Klamroths bestätigten die glänzenden Zukunftsperspektiven der Singschule.
Quelle: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkszeitung - Nr. 224 Datum Dienstag, den 26. September 2017 Seite 18
Glänzende Zukunftsperspektiven
Erstellt von Reiner Henn || evangelisch
Stiftskirche Kaiserslautern: Die Feier des zehnjährigen Bestehens der evangelischen Singschule ausgerechnet zum Erntedankfest war kein zufälliges terminliches Zusammentreffen, sondern entsprang einer bewussten metaphorischen Assoziation: Ernte einfahren bedeutete nach Pfarrer Stefan Bergmann im übertragenen Sinn, reife künstlerische Früchte einzuholen, sich an stolzen Bilanzen zu freuen und optimistische Zukunftsperspektiven zu sehen.
